über den X1/9

X1/9 – Was ist das?

Der X1/9 ist ein Mittelmotorsportwagen.

Er wurde erstmals ende 1972 in kleinen Stückzahlen in Italien, im folgenden Jahr in ganz Europa verkauft.

Bereits drei Jahre vorher wurde auf dem Turiner Automobilsalon eine bahnbrechende Designstudie vorgestellt, die als Vorläufer des X1/9 gilt: Bertones Runabout Barchetta. Notabene noch mit Autobianchi Emblem.

Als die Serienproduktion 1973 richtig angelaufen war, sollte sich ein unglaublicher Siegeszug des kleinen zweisitzers einstellen. Bis zum Produktionsende 1987/88 sollten über 170 000 Einheiten einen Käufer finden.

Selbstverständlich gab es bei einer Produktionszeit von 15 Jahren diverse Änderungen und sogar einige Sondermodelle. Deshalb an dieser Stelle eine kurze Übersicht:

  • 1972: Der Verkauf startet im November. 247 Fahrzeuge verlassen als Linkslenker auf Stahlfelgen das Werk

  • 1973: Produktionszahlen steigen deutlich: 9480 prod. Fahrzeuge; keine exp. in UK und USA
  • 1974: 20207 gebaute Fahrzeuge; exp. in UK und USA beginnt.
  • 1975: keine bedeutenden Veränderungen. Sondermodell „Corsa“. 17318 prod. Fahrzeuge
  • 1976: Die USA Ausführung bekommt andere Stoßstangen; in England wird endlich eine Rechtslenker Version mit Serienmäßigen LM Felgen angeboten. 15882 gebaute Einheiten.
  • 1977: Sondermodell „Lido“ und „Serie Speciale“ erscheinen. 18451 gebaute X 1/9

Animation – vom 1300er zum 1500er – 1

Animation – vom 1300er zum 1500er – 2

  • 1978: Im Oktober `78 wird der überarbeitete X 1/9 Five-Speed mit 1,5 L Hubraum und 5-Gang Getriebe vorgestellt. 19240 Fahrzeuge (1,3 u 1,5 L)
  • 1979: 20082 Fahrzeuge
  • 1980: 14993 Fahrzeuge
  • 1981/82: Die komlette Produktion wird von Bertone übernommen, da Fiat die freiwerdenden Kapazitäten für andere Fahrzeuge benötigt. Erste Fahrzeuge mit Einspritzanlage für US Markt. (IN-Serie), Sondermodell X 1/9 LTD für US Markt
  • 1983: Sondermodell „VS“ (Versione Speciale)
  • 1984: Diverse kleinere Veränderungen
  • 1986 : X 1/9 in verbilligter Ausführung erhältlich (Stoffsitze, keine eFh, Einfarblack.); G-Kat in Europa
  • 1988: Letzte Ausführung ‚Grand Finale‘Neu: Kaufberatung

Die Geburt des X1/9 war 1972 sozusagen eine Zangengeburt.

Bereits 1969 hatte Bertone den Prototyp RUNABOUT vorgestellt. Der Fiatkonzern konnte sich aber nicht richtig mit diesem Auto anfreunden. Erst 1971 am Turiner Salon war es Alejandro De Tomaso der mit seiner X1/9 Kopie dem Fiat Vorstand Dampf machte. Dieses Auto sah genau so aus wie der X1/9 nur war dieser von einem Ford-Motor angetrieben.

Die Konstrukteure bei Fiat hatten keine Lust mehr, auf Bewährtes zu setzen, als sie sich über den X1/9 Gedanken machten. Und so kam es dann auch. Damit der neue sportliche Zweisitzer kein Imitat des Vorgängers Fiat 850 Spider würde, setzte das Unternehmen auf eine ungewöhnliche Optik: Markante Züge sollte er haben, eine schmallippige Schnauze und einen eckigen Hintern. Der X1/9 sah aus wie ein Keil auf Rädern. Anders als der Spider mit seinem Heckmotor und der Fiat Primola mit Frontantrieb hatte der neue X1/9 das Triebwerk direkt vor der Hinterachse. Das war nichts sensationell Neues – im Gegenteil, PS-Fetischisten kannten das Prinzip als typisch für Sportwagen. Nur hatte es so etwas bisher noch nicht in der Klasse gegeben, in der der X1/9 zu Hause war: Der „Keil“ brachte auch solchen Fahrern das Ferrari-Feeling näher, die sich solche Karossen niemals hätten leisten können. Eben diese geschickte Kombination ließ den X1/9 zum Bestseller der 70er Jahre werden. Soziologen würden vielleicht behaupten, der X1/9 war ein Stück Demokratisierung des bislang Elitären – und hätte auch in dieser Hinsicht dem Zeitgeist entsprochen.

Der X1/9 galt als ein Kind seiner Zeit: Die Exclusiv-Sonderserie etwa war mit farbenfrohen Sitzbezügen ausgestattet, die geschmacklich ganz in die 70er Jahre passten. Auch die Motorisierung war auf Fahrer abgestimmt, die ihren Spaß; daran hatten, den Spießern auf deutschen Straßen „pausenlos den Auspuff zu zeigen“. Denn der X1/9 hatte im Vergleich zum Spider deutlich zugelegt: Statt der gerade 52 PS und 903 Kubikzentimeter bot „der Keil“ ein Triebwerk mit 1290 Kubikzentimetern Hubraum und 75 PS. Der Vierzylinder-Motor beschleunigte schnell genug, um den Drehzahlmesser in den roten Bereich zu befördern, kaum daß der Fahrer schalten konnte – zumal der Zweisitzer nur rund 880 Kilogramm wog. Die 100-Stundenkilometer- Marke war in zwölf Sekunden erreicht, die Spitze lag bei 170 km/h. Der „Baby-Ferrari“ mit dem eckigen Äußeren war augenscheinlich bemüht, seinem Besitzer das gute Gefühl zu geben, einen schnellen Sportwagen zu fahren. Zu diesem Zweck gab es nicht nur einen kurzen Schalthebel, sondern gleich auch noch ein Sportlenkrad mit vier Speichen. Die Karosserie entstand bei Nuccio Bertone – auch wenn der eigentliche Vater des X1/9 Marcello Gandini war – dem „Armani des Automobildesigns“. Der 1997 gestorbene Auto-Stylist gehörte zu den renommiertesten der Branche.

Sein Chefdesigner, Marcello Gandini, zeichnete für den X1/9 verantwortlich: Der Zweisitzer wurde zu seinem größten Erfolg. Den kleinen Italiener gab es ab 1976 dann auch in einer weiteren Ausstattung als X1/9 Exclusiv.

Den Auftrag zur Gestaltung der Sonderserie erhielt wiederum Nuccio Bertone, der vor allem versuchte, das Äußere des Wagens auffälliger zu machen: So erhielt die Exclusiv- Karosserie breite schwarze Seitenstreifen mit geometrischem Muster, die von der vorderen Stoßstange bis unter die Rückleuchten reichten. Metallic-Lackierung gab es serienmäßig, außerdem einen größeren Frontspoiler und rechteckige Zusatz-Fernscheinwerfer. Zwischen Tür und vorderem Kotflügel prangte außerdem ein Schild, das neben dem Namensschriftzug Bertones auch die Produktionsnummer zeigte. Zum serienmäßigen Lieferumfang gehört zudem ein zweiteiliges Kofferset aus grobem, mit Schottenmuster bedrucktem Leinen.

1978 war dann das Jahr der größten Verbesserung des Fiat X1/9, es wurde eine Hubraumerweiterung auf 1500ccm vorgenommen, eine Neugestaltung des Innenraumes sowie als Tribut an das Hauptexportland USA und an den Zeitgeist, breite Stoßstangen eine geänderte Motorhaube und ein Katalysator angebaut.

1982 versprach sich Fiat keinen Erfolg mehr mit seinem Flitzer und er passte anscheinend auch nicht mehr in die Modellpalette. Man trennte sich von seinem Stiefkind entgültig und ab 82 fertigte Bertone seinen X1/9 in Eigenregie und unter eigenem Namen bis zur letzten Version ‚Grand Finale‘.

1989 wurde die Produktion entgültig eingestellt obwohl sich Bertone Gedanken über einen Nachfolger gemacht hatte (mit Uno Turbo Motor) sie dann aber wieder verworfen hatte. Die Gesamt-produktion belief sich bis dahin auf ca. 170 000 Einheiten.

Man sagt der X1/9 war der Ferrari, den Fiat nie zu Ende gebaut hatte. Vor allem seine gegen Ende der 80er Jahre etwas schwache Motorisierung, hat seinen ganz großen Erfolg in Europa etwas verhindert. Aber so war er natürlich ein gefundenes Fressen für alle Tuner und PS- Fetischisten, die auf Grund seines einfachen Aufbaues und seiner hervorragenden Strassenlage auch im Rennsport beachtliche Erfolge feiern konnten. Für uns Club gilt es ihn zu pflegen und für eine spätere Generation zu erhalten, denn ein gefragter Youngtimer ist er jetzt schon, was seine steigenden Preise für gut erhaltene ältere Modelle zeigen.

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